Hiob
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mich für verkehrt erklären.
21
Vollkommen bin ich; nicht
kümmert mich meine Seele, ich
verachte mein Leben; es ist
eins!
22
Darum sage ich: Den Voll-
kommenen und den Gesetzlo-
sen vernichtet er.
23
Wenn die Geißel plötzlich
tötet, so spottet er der Prüfung
der Unschuldigen.
24
Die Erde ist in die Hand
des Gesetzlosen gegeben, das
Angesicht ihrer Richter verhüllt
er. Wenn er es nun nicht ist,
wer anders?
25
Und meine Tage eilen
schneller dahin als ein Läufer,
sie entfliehen, schauen das
Glück nicht.
26
Sie ziehen vorüber gleich
Rohrschiffen, wie ein Adler, der
auf Fraß herabstürzt.
27
Wenn ich sage: Ich will
meine Klage vergessen, will
mein Angesicht glätten und
mich erheitern,
28
so bangt mir vor allen mei-
nen Schmerzen; ich weiß, daß
du mich nicht für schuldlos
halten wirst.
29
Ich muß schuldig sein; wozu
soll ich mich denn nutzlos ab-
mühen?
30
Wenn ich mich mit Schnee
wüsche und meine Hände mit
Lauge reinigte,
31
alsdann würdest du mich in
die Grube tauchen, und meinen
eigenen Kleidern würde vor mir
ekeln.
32
Denn er ist nicht ein Mann
wie ich, daß ich ihm antworten
dürfte, daß wir miteinander vor
Gericht gehen könnten.
33
Es gibt zwischen uns keinen
Schiedsmann, daß er seine
Hand auf uns beide legte.
34
Er tue seine Rute von mir
weg, und sein Schrecken ängs-
tige mich nicht:
35
so will ich reden und ihn
nicht fürchten; denn nicht also
steht es bei mir.
10
kapitel
1
Meine Seele ist meines Le-
bens überdrüssig; ich will mei-
ner Klage in mir freien Lauf
lassen, will reden in der Bitter-
keit meiner Seele.
2
Ich will zu Gott sagen: Ver-
damme mich nicht! laß mich
wissen, worüber du mit mir
rechtest.