Jeremia
1556 
nier sehen, den Schall der Po-
saune hören?
22
Denn mein Volk ist närrisch,
mich kennen sie nicht; törichte
Kinder sind sie und unverstän-
dig. Weise sind sie, Böses zu
tun; aber Gutes zu tun verste-
hen sie nicht.
23
Ich schaue die Erde an und
siehe, sie ist wüst und leer;
und gen Himmel, und sein
Licht ist nicht da.
24
Ich schaue die Berge an,
und siehe, sie heben; und alle
Hügel schwanken.
25
Ich schaue, und siehe, kein
Mensch ist da; und alle Vögel
des Himmels sind entflohen.
26
Ich schaue, und siehe, der
Karmel ist eine Wüste; und alle
seine Städte sind niedergeris-
sen vor Jehova, vor der Glut
seines Zornes.
27
Denn so spricht Jehova:
Das ganze Land soll eine Wüs-
te werden; doch will ich es
nicht gänzlich zerstören.
28
Darum wird die Erde trau-
ern, und der Himmel oben
schwarz werden, weil ich es
geredet, beschlossen habe; und
ich werde es mich nicht gereu-
en lassen und nicht davon zu-
rückkommen.
29
Vor dem Geschrei der Rei-
ter und der Bogenschützen
flieht jede Stadt: Sie gehen ins
Dickicht und ersteigen die Fel-
sen; jede Stadt ist verlassen,
und kein Mensch wohnt darin.
30
Und du, Verwüstete, was
wirst du tun? Wenn du dich
auch in Karmesin kleidest,
wenn du mit goldenem Ge-
schmeide dich schmückst, wenn
du deine Augen mit Schminke
aufreißest: vergeblich machst
du dich schön; die Buhlen ver-
schmähen dich, sie trachten
nach deinem Leben.
31
Denn ich höre eine Stimme
wie von einer Kreißenden,
Angst wie von einer Erstgebä-
renden, die Stimme der Toch-
ter Zion; sie seufzt, sie breitet
ihre Hände aus: Wehe mir!
Denn kraftlos erliegt meine
Seele den Mördern.
5
kapitel
1
Durchstreifet die Gassen Je-
rusalems, und sehet doch und
erkundet und suchet auf ihren
Plätzen, ob ihr jemand findet,
ob einer da ist, der Recht übt,