Klagelieder
1686 
Angesicht des Herrn; hebe dei-
ne Hände zu ihm empor für
die Seele deiner Kinder, die
vor Hunger verschmachten an
allen Straßenecken!
20
Sieh, Jehova, und schaue,
wem du also getan hast! Sol-
len Weiber ihre Leibesfrucht
essen, die Kindlein, welche sie
auf den Händen tragen? Sollen
im Heiligtum des Herrn ermor-
det werden Priester und
Prophet?
21
Knaben und Greise liegen
am Boden auf den Straßen;
meine Jungfrauen und meine
Jünglinge sind durchs Schwert
gefallen; hingemordet hast du
am Tage deines Zornes, gesch-
lachtet ohne Schonung.
22
Meine Schrecknisse hast du
von allen Seiten herbeigerufen
wie an einem Festtage, und
nicht einer entrann oder blieb
übrig am Tage des Zornes Je-
hovas; die ich auf den Händen
getragen und erzogen habe,
mein Feind hat sie vernichtet.
3
kapitel
1
Ich bin der Mann, der Elend
gesehen durch die Rute seines
Grimmes.
2
Mich hat er geleitet und ge-
führt in Finsternis und Dunkel.
3
Nur gegen mich kehrt er
immer wieder seine Hand den
ganzen Tag.
4
Er hat verfallen lassen mein
Fleisch und meine Haut, meine
Gebeine hat er zerschlagen.
5
Bitterkeit und Mühsal hat er
wider mich gebaut und mich
damit umringt.
6
Er ließ mich wohnen in Fins-
ternissen, gleich den Toten der
Urzeit.
7
Er hat mich umzäunt, daß
ich nicht herauskommen kann;
er hat schwer gemacht meine
Fesseln.
8
Wenn ich auch schreie und
rufe, so hemmt er mein Gebet.
9
Meine Wege hat er mit Qua-
dern vermauert, meine Pfade
umgekehrt.
10
Ein lauernder Bär ist er mir,
ein Löwe im Versteck.
11
Er hat mir die Wege entzo-
gen und hat mich zerfleischt,
mich verwüstet.
12
Er hat seinen Bogen ges-
pannt und mich wie ein Ziel
dem Pfeile hingestellt.
13
Er ließ in meine Nieren